Sr. Hieronyma hat den Überblick über Kleider und Accessoires des Kostümfundus des Theaters der St. Josefskongregation Ursberg.
Hier kann sich jeder beraten lassen und ausleihen, was gefällt.
Foto: Christian Pagel
Schwerpunkt Trachten und Mittelalter – Verwandlung bis ins letzte Detail
Ursberg – Wollten Sie schon immer als Römer unterwegs sein und eine Toga tragen? Wäre das Mittelalter die richtige Epoche für Sie? Lieben Sie die Pracht der Renaissance? Reisen in die Vergangenheit sehen Naturwissenschaftler kritisch. Doch im Ursberger „Kostümverleih der tausend Möglichkeiten“ betrachtet man das in anderem Licht.
Schwester Hieronyma, Jahrgang 1938 und Heilerziehungspflegerin, macht es möglich. Die Ordensfrau, die im Jahr 2025 ihr 65. Professjubiläum feierte, übernahm im Jahr 2002 die Verantwortung für den Ursberger Theaterfundus. „Ich wusste nicht wirklich, worauf ich mich da einließ“, erzählt sie schmunzelnd. Hinter ihrem freundlichen Lächeln spürt man die Begeisterung und auch die Wertschätzung selbst für kleinste Details: Alles muss stimmen, zum Beispiel für ein mittelalterliches Fest. Zuerst sucht sie die richtigen Hosen, Röcke, Blusen, Hemden und Jacken heraus. Nach der ersten Anprobe (es gibt natürlich eine Umkleide und große Spiegel) geht es weiter mit den Accessoires: Hüte, Helme, Tücher, Schuhe oder Waffen – es fehlt an nichts. Selbst Tiermasken sind zu haben.
Wie behält man den Überblick bei rund 3.000 Einzelteilen? Es gibt eine Damen- und eine Herrenabteilung. Darin ist jeweils nach Themen und Stilepochen geordnet, dann nach Art des Kleidungsstücks. Die Accessoires lagern immer direkt dabei. Auch Kinderkleidung ist vorhanden. Historische Trachten und Mittelalter sind zwei Schwerpunkte des Sortiments. Den handgeschriebenen, 80-seitigen Inventarordner für den Inhalt der Schränke und Regale benötigt die Schwester im Alltag nicht. Zielsicher und stilsicher steuert sie im Labyrinth der Gänge die benötigten Stücke an. Wenn die dann nach Gebrauch wieder zurückkommen, beginnt die Pflege: Raritäten müssen meist von Hand gewaschen werden. Trocknen, Bügeln, Lüften und Einsortieren stehen an und für Reparaturen setzt sich die Schwester an die Nähmaschine. Inzwischen erhält sie ein paar Stunden Unterstützung durch eine Mitarbeiterin. Doch sie selbst ist an jedem Werktag für sechs Stunden vor Ort.
Gelebte Inklusion
Das Theaterspiel hat in Ursberg eine lange Tradition. Kostüme wurden genäht, Kulissen auf Leinwand gemalt. Die von Dominikus Ringeisens Nachfolger Maurus Gerle 1909 errichtete Mehrzweckhalle wurde in den 1950ern zu einem Theatersaal umgebaut. Die Schwestern inszenierten mit Betreuten, Mitarbeitern und Schülern Aufführungen, die weit über Ursberg hinaus Publikum anzogen. „Inklusion war als Wort noch nicht in Gebrauch; man hat sie gelebt“, sagt Schwester Hieronyma. Den Fundus verfügbar zu machen, hatte der Günzburger Landrat Georg Simnacher angeregt. Das Ausleihpublikum hat sich seitdem gewandelt: Während früher Theater anfragten, werden heute eher Veranstaltungen mit historischem Bezug ausgestattet. Doch auch Einzelpersonen sind willkommen, sei es für einen Bischof Nikolaus oder ein Teufelskostüm, das ein Pfarrer immer mal wieder auslieh. Wer das war und ob er es selbst trug, will Schwester Hieronyma nicht verraten: Betriebsgeheimnis! Sie jedenfalls schafft froh und dankbar weiter, erfreut sich an den Kontakten und hofft, dass sie die Arbeit noch lange bewältigen kann.
Text: Christian Pagel
Kostümverleih der St. Josefskongregation
Josefsplatz 1 B
86513 Ursberg
Telefon: 08281 92-3393
→ Mehr Information zum Kostümverleih finden sie auf hier auf unserer Homepage
Neben Hüten, Schwertern und vielen anderem Zubehör befinden sich auch lebensecht gefertigte Tiermasken im Fundus.
Ihr Ansprechpartner:
St. Josefskongregation Ursberg
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Robert Bielesch
08281 92-3017
bielesch.robert.csj@ursberg.de